Das künstliche Schultergelenk
Ein künstliches Schultergelenk kann Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Wir besprechen mit Ihnen, wann eine Schulterprothese sinnvoll ist, welcher Prothesentyp infrage kommt und wie Operation und Nachbehandlung ablaufen.

Auf einen Blick
Wann ist es sinnvoll?
Bei stark zerstörtem Gelenk im Röntgen-, MRT- oder CT-Bild zusammen mit starken Ruhe- und Belastungsschmerzen und/oder einer deutlichen Bewegungseinschränkung.
Ziel
Die individuellen Winkel- und Größenverhältnisse von Oberarmkopf und Gelenkpfanne werden wiederhergestellt – sie sind bei jedem Menschen anders.
Haltbarkeit
Nach 20 Jahren sind noch 85 bis 90 Prozent der künstlichen Schultergelenke in Funktion. Entscheidend sind unter anderem Beanspruchung, Knochenqualität sowie Material und Design der Prothese.
Material
Schäfte aus Titanlegierungen, Köpfe aus Kobalt-Chrom-Legierungen, Pfannen meist aus hochvernetztem Polyethylen. Bei einer Metallallergie können die Köpfe mit Titan beschichtet werden.
Funktion und Verankerung
Ein künstliches Gelenk ersetzt den verschlissenen Knorpel am Oberarmkopf und – wenn erforderlich – auch an der Gelenkpfanne. Wird nur der Oberarmkopf ersetzt, spricht man von einer Oberarmkopfprothese (Hemiarthroplastik); werden beide Gelenkpartner ersetzt, von einer Schultertotalendoprothese.
Je nach Knochenqualität werden die Implantate zementiert oder zementfrei eingesetzt. Beim zementierten Verfahren fixiert ein schnell härtender Knochenzement die Prothese – bei Patientinnen und Patienten über 70 Jahren ist das meist die Methode der Wahl. Beim zementfreien Verfahren wächst der Knochen an die aufgeraute Oberfläche der Prothese an. Der Pfannenersatz wird in den meisten Fällen einzementiert; bei Wechseloperationen oder schlechter Knochenqualität können auch zementfreie Titanpfannen mit Polyethylen-Aufsatz zum Einsatz kommen.
Welche Prothese passt zu Ihnen?
Welcher Prothesentyp und welche Verankerung für Sie am besten geeignet sind, entscheiden wir nach den Voruntersuchungen gemeinsam mit Ihnen. Wichtig sind unter anderem Ihr Alter, die Knochenqualität, die Ausprägung der Arthrose und der Zustand der Rotatorenmanschette: Eine anatomische Prothese setzt eine intakte Rotatorenmanschette voraus – ist sie nicht mehr rekonstruierbar, kommt eine inverse Prothese in Frage.
Computergestützte Planung
Mit einer 3D-Planungssoftware wird anhand der CT-Bilder vor der Operation die ideale Position der künstlichen Gelenkpfanne simuliert. Patientenspezifische Instrumente übertragen diese Planung während der Operation präzise auf den Implantatsitz.
Auch für gesetzlich Versicherte
Das Einsetzen einer Schulterprothese führt Prof. Dr. Habermeyer auch bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten durch.
Prothesentypen im Überblick
Welche Prothese in Frage kommt, hängt vom Zustand von Knorpel, Knochen und Rotatorenmanschette ab.
Anatomische Kurzschaftprothese
Weisen Oberarmkopf und Gelenkpfanne schwere Knorpelschäden und eine deutliche Deformierung auf, werden in der Regel beide Gelenkteile ersetzt – man spricht dann von einer Schultertotalendoprothese. Der kurze Schaft der Prothese wird stabil im Oberarmknochen verankert. Der Pfannenersatz wird meist über Zapfen oder einen Kiel auf der Rückseite im Knochen einzementiert.
Die Lockerungsrate im Schaftbereich moderner Oberarmkopfprothesen liegt bei etwa einem Prozent über zehn Jahre – 99 Prozent dieser Implantate sind nach zehn Jahren noch voll funktionsfähig. Bei den Gelenkpfannen sind nach etwa zehn Jahren 5 bis 10 Prozent gelockert und müssen entfernt werden; wenn möglich, werden sie durch eine neue Pfanne ersetzt.

Schaftfreie Prothese
Ist vor allem der Oberarmkopf von der Arthrose betroffen – zum Beispiel als Folge eines Oberarmkopfbruchs – und hat die Gelenkpfanne noch einen guten Knorpelüberzug ohne wesentliche Deformierung, kann es ausreichen, nur den Oberarmkopf zu ersetzen.
Dabei wird die Oberfläche des Oberarmkopfes abgetragen und mit einer schaftfreien Prothese versorgt. Das Verfahren erhält den natürlichen Knochen weitgehend, denn auf einen langen Prothesenschaft im Oberarmknochen wird verzichtet. Ein zusätzlicher Ersatz der Pfanne ist möglich.

Teilgelenkflächenersatz (HemiCAP)
Besonders bei jungen, sportlichen Patientinnen und Patienten mit beginnender Arthrose – zum Beispiel nach einem Sportunfall mit Knorpeldefekt – kann minimalinvasiv ein Teilgelenkflächenersatz eingesetzt werden. Er ersetzt nur die beschädigte Knorpelfläche, ohne dass eine komplette Prothese nötig ist.

Anatomischer Pfannenersatz
Zur Behandlung der Pfannenarthrose kommen verschiedene Pfannentypen zum Einsatz. Im Normalfall werden Pfannen aus hochvernetztem Polyethylen einzementiert – mit Kiel- oder mit Zapfenverankerung. Polyethylen-Pfannen mit einem fächerförmigen Zentralzapfen können nahezu zementfrei eingesetzt werden, weil der Zapfen knöchern einwächst.
Bei fortgeschrittenem Knochenverschleiß können auch zementfreie Titanpfannen mit Polyethylen-Aufsatz eingesetzt werden. Sie sind konvertierbar: Kommt es nach vielen Jahren zu weiterem Verschleiß, lassen sie sich zu einer inversen Prothese umbauen.

Inverse Schulterendoprothese
Besteht neben der Arthrose eine ausgedehnte Schädigung der Rotatorenmanschette, sodass der Arm nur noch eingeschränkt bewegt werden kann, ist eine inverse (umgekehrte) Prothese erforderlich. Sie ist für die Bewegung nicht auf die Rotatorenmanschette angewiesen.
Anders als bei herkömmlichen Prothesen wird der Kopf an der Gelenkpfanne verankert und die Pfanne am Oberarm. Der umgekehrte Kopf legt das Drehzentrum fest, um das die Oberarmpfanne rotiert. So kann der Deltamuskel die fehlende Kraft der Rotatorenmanschette ausgleichen und der Arm wieder angehoben werden.
Der Kopf wird zementfrei mit Schrauben in der Pfanne verankert, der Oberarmteil meist mit Knochenzement; eine eingepresste Gleitpfanne aus Polyethylen gleitet um den Kopf. Die inverse Prothese wird meist ab dem 65. Lebensjahr eingesetzt. Voraussetzung sind ein intakter Deltamuskel und eine gute Knochensubstanz an der Schulterpfanne.

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