Ursachen, Symptome und moderne Behandlung von Schulterschmerzen beim Schwimmen
„Ich dachte, Schwimmen sei gesund …“ – warum auch Schwimmer Schulterschmerzen bekommen können
Schwimmen gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt: Es ist gelenkschonend, trainiert nahezu den gesamten Körper und verbessert Ausdauer, Kraft und Koordination. Dennoch kann gerade die Schulter beim Schwimmen erheblich belastet werden.
Besonders bei Leistungsschwimmern, Triathleten und ambitionierten Freizeitsportlern können durch hohe Trainingsumfänge und tausendfach wiederholte Bewegungsabläufe Überlastungsbeschwerden entstehen. Die sogenannte Schwimmerschulter gehört zu den häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen bei Schwimmerinnen und Schwimmern.
Typischerweise entstehen die Beschwerden nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schleichend. Anfangs treten Schmerzen nur nach längeren Trainingseinheiten auf. Werden die Warnzeichen ignoriert, können sich daraus chronische Schulterprobleme entwickeln.
Prof. Sandmann behandelt im Schulterzentrum – Sporttraumatologie in München regelmäßig Sportler mit schmerzhaften Schulterbeschwerden durch Überlastung, Fehlbelastung oder strukturelle Verletzungen. Eine genaue Analyse der Ursache ist entscheidend, um die Schulter langfristig wieder belastbar zu machen.
Was versteht man unter einer Schwimmerschulter?
Der Begriff Schwimmerschulter beschreibt kein einzelnes Krankheitsbild, sondern verschiedene schmerzhafte Überlastungssyndrome im Bereich des Schultergelenks.
Betroffen sein können insbesondere:
- Rotatorenmanschette – die stabilisierenden Muskeln und Sehnen rund um das Schultergelenk
- lange Bizepssehne
- Schleimbeutel (Bursen)
- Gelenkkapsel
- stabilisierende Strukturen des Schulterblatts
In vielen Fällen handelt es sich um ein Impingement-Syndrom der Schulter. Dabei kommt es zu einer Einengung von Sehnenstrukturen zwischen Oberarmkopf und Schulterdach.
Man unterscheidet unter anderem:
- Subacromiales Impingement: Einengung der Rotatorenmanschette und des Schleimbeutels unter dem Schulterdach
- Subcoracoidales Impingement: Einengung im Bereich des Rabenschnabelfortsatzes (Processus coracoideus)
Durch die wiederholte Belastung können Sehnen gereizt werden. Bei länger bestehenden Beschwerden können auch strukturelle Schäden wie Sehnenveränderungen oder Risse entstehen.
Warum entsteht eine Schwimmerschulter?
Beim Schwimmen wird die Schulter tausendfach in ähnlichen Bewegungsmustern belastet. Besonders Kraul- und Schmetterlingsstil stellen hohe Anforderungen an die Schultermechanik.
Mehrere Faktoren können zusammenwirken:
Hohe Wiederholungszahlen
Eine Trainingseinheit kann mehrere tausend Armzüge umfassen. Auch eine technisch korrekte Bewegung kann bei sehr hoher Wiederholungszahl zu einer Überlastung führen.
Muskuläre Dysbalancen
Schwimmer verfügen häufig über eine ausgeprägte Zugmuskulatur. Gleichzeitig können die stabilisierenden Muskeln der Schulter, insbesondere die Rotatorenmanschette und Schulterblattmuskulatur, zu schwach sein.
Fehlerhafte Schwimmtechnik
Bereits kleine technische Veränderungen können die Schulterbelastung erhöhen:
- falsche Armführung
- ungünstiger Eintritt der Hand ins Wasser
- eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule
- Überkreuzen der Körpermitte beim Kraulschwimmen
Unzureichende Regeneration
Zu kurze Erholungsphasen verhindern die Anpassung des Gewebes und begünstigen chronische Beschwerden.
Schulterinstabilität
Eine sehr bewegliche Schulter kann im Schwimmsport leistungsfördernd sein. Gleichzeitig kann eine Instabilität zu einer erhöhten Belastung von Sehnen und Gelenkstrukturen führen.
Typische Symptome einer Schwimmerschulter
Die Beschwerden entwickeln sich meistens langsam.
Typische Symptome sind:
- Schulterschmerzen beim Schwimmen
- Schmerzen bei Überkopfbewegungen
- Beschwerden während oder nach dem Training
- Schmerzen an der Vorderseite oder Außenseite der Schulter
- Kraftverlust
- Unsicherheitsgefühl im Schultergelenk
- eingeschränkte Beweglichkeit
- gelegentliche Nachtschmerzen
Viele Sportler versuchen zunächst, die Beschwerden zu ignorieren und das Training fortzusetzen. Dadurch kann aus einer anfänglichen Sehnenreizung ein chronisches Schulterproblem entstehen.
Wenn Schmerzen immer wieder auftreten oder trotz Trainingsanpassung nicht verschwinden, sollte eine spezialisierte Untersuchung erfolgen.
Diagnostik bei Schwimmerschulter
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen klinischen Untersuchung.
Dabei werden beurteilt:
- Beweglichkeit der Schulter
- Kraft der Rotatorenmanschette
- Stabilität des Schultergelenks
- Funktion der Schulterblattmuskulatur
- individuelle Bewegungsmuster beim Schwimmen
Ergänzend können bildgebende Verfahren eingesetzt werden:
Ultraschall
Mit Ultraschall lassen sich Sehnen, Schleimbeutel und entzündliche Veränderungen dynamisch beurteilen.
MRT der Schulter
Das MRT ermöglicht die genaue Beurteilung von:
- Rotatorenmanschette
- Bizepssehne
- Gelenklippe
- Knorpel
- Schleimbeutel
- entzündlichen Veränderungen
Röntgen
In bestimmten Fällen kann ein Röntgenbild sinnvoll sein, um knöcherne Ursachen oder Veränderungen am Schulterdach zu beurteilen.
Wichtig ist: Nicht jede Veränderung in der Bildgebung verursacht automatisch Beschwerden. Entscheidend ist die Verbindung zwischen Untersuchung, Befund und individueller Belastung.
Behandlung der Schwimmerschulter
Die gute Nachricht: Die meisten Schwimmerschultern können erfolgreich ohne Operation behandelt werden.
Die Therapie wird individuell auf Beschwerden, Trainingsniveau und sportliche Ziele abgestimmt.
1. Trainingsanpassung
Ziel ist eine kontrollierte Belastungssteuerung.
Mögliche Maßnahmen:
- Reduktion des Trainingsumfangs
- Anpassung der Trainingsintensität
- vorübergehende Pause bei starken Beschwerden
- schrittweiser Wiedereinstieg
2. Physiotherapie und gezieltes Schultertraining
Ein zentraler Bestandteil der Behandlung ist die Verbesserung der Schulterfunktion.
Wichtige Therapiebausteine:
- Kräftigung der Rotatorenmanschette
- Stabilisierung des Schulterblatts
- Verbesserung der Beweglichkeit
- Ausgleich muskulärer Dysbalancen
- Training der Rumpfstabilität
3. Technikoptimierung
Die Schwimmtechnik spielt eine entscheidende Rolle.
Eine Zusammenarbeit mit Trainerinnen und Trainern kann helfen, Bewegungsabläufe zu analysieren und die Belastung der Schulter zu reduzieren.
4. Schmerztherapie
Je nach Befund können ergänzend eingesetzt werden:
- entzündungshemmende Maßnahmen
- gezielte Infiltrationen (z.B. auch mit PRP)
- individuelle Rehabilitationsprogramme
Wann ist eine Operation bei Schwimmerschulter notwendig?
Eine Operation ist nur in wenigen Fällen erforderlich.
Mögliche Gründe sind:
- relevante Rotatorenmanschettenrisse
- strukturelle Sehnenschäden
- ausgeprägte knöcherne Engstellen
- anhaltende Beschwerden trotz konsequenter konservativer Therapie
Je nach Ursache können arthroskopische Verfahren eingesetzt werden. Ziel ist es, geschädigte Strukturen zu behandeln und die Schulter wieder belastbar für den Sport zu machen.
Prävention: So vermeiden Schwimmer Schulterprobleme
Die beste Therapie ist die Vermeidung von Überlastung.
Wichtige Maßnahmen:
- gezieltes Athletiktraining außerhalb des Wassers
- Kräftigung der Rotatorenmanschette
- Stabilisation der Schulterblattmuskulatur
- regelmäßiges Techniktraining
- ausreichende Regeneration
- frühzeitige Behandlung erster Beschwerden
Eine leistungsfähige Schulter entsteht nicht allein durch Training im Wasser, sondern durch das Zusammenspiel aus Kraft, Beweglichkeit und Stabilität.
Ihr Experte
Prof. Dr. Sandmann – Schulterexperte für Sportverletzungen
Prof. Dr. med. Sandmann ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung von Schulter- und Ellenbogenverletzungen.
Als erfahrener Schulterchirurg und Sportorthopäde in München betreut Prof. Sandmann Freizeit- und Leistungssportler mit dem Ziel, eine sichere und nachhaltige Rückkehr zum Sport zu ermöglichen – damit Sie wieder schmerzfrei ins Wasser zurückkehren können.
Fazit: Schwimmerschulter ist behandelbar
Die Schwimmerschulter ist eine typische Überlastungsverletzung, die besonders bei hoher Trainingsintensität auftreten kann. Sie ist jedoch in den meisten Fällen gut behandelbar.
Wer frühzeitig auf Warnsignale achtet, die Trainingsbelastung anpasst und gezielt an Schulterfunktion und Technik arbeitet, kann langfristig leistungsfähig bleiben.
Häufige Fragen (FAQ)
Warum bekomme ich beim Schwimmen Schulterschmerzen?
Schulterschmerzen beim Schwimmen entstehen meist durch wiederholte Überkopfbewegungen, hohe Trainingsumfänge, muskuläre Dysbalancen oder technische Fehler. Häufig betroffen sind Rotatorenmanschette, Bizepssehne und Schleimbeutel.
Ist Schwimmen trotz Schulterschmerzen möglich?
Das hängt von der Ursache und der Intensität der Beschwerden ab. Bei Schmerzen sollte die Belastung angepasst und die Schulter fachärztlich untersucht werden, bevor weiter intensiv trainiert wird.
Wie lange dauert eine Schwimmerschulter?
Die Dauer hängt von Ursache und Schweregrad ab. Viele Beschwerden verbessern sich innerhalb weniger Wochen durch gezielte Therapie und Trainingsanpassung. Chronische Probleme benötigen häufig eine längere Rehabilitation.
Muss eine Schwimmerschulter operiert werden?
Nein. Die meisten Schwimmerschultern werden konservativ behandelt. Eine Operation ist nur bei bestimmten strukturellen Schäden oder anhaltenden Beschwerden trotz Therapie notwendig.
Wann sollte ich einen Schulterspezialisten aufsuchen?
Bei wiederkehrenden Schmerzen, Kraftverlust, Bewegungseinschränkungen oder Beschwerden trotz Trainingspause sollte eine spezialisierte Untersuchung erfolgen.
